Samstag, 24. Januar 2015

Entartete Musik


Entartete Musik im „Dritten Reich“

Im Nazi-Deutschland war moderne Musik, die der Weltanschauung des Hitler-Deutschlands widersprach unerwünscht. Sie wurde als „Entartete Musik“ bezeichnet.

Es handelte sich dabei um Musik von jüdischen Komponisten, oder als „Negermusik“ verhöhnte moderne Musik. Jazzmusik war ebenfalls unerwünscht. Es gab allerdings auch Musik von arischen Komponisten, die vom Hitlerdeutschland abgelehnt wurde. Aufführungsverbote, Berufsverbote und schließlich Verfolgung dieser Künstler war das Ergebnis dieser Ablehnung.

Bei den Reichsmusiktagen 1938, bei welchem der erwünschte Komponist und Dirigent Richard Strauss dirigierte, wurde eine Ausstellung mit dem Titel „Entartete Musik“ eröffnet. Diese wurde von Hans Severus Ziegler organisiert, der auch ein Buch dazu geschrieben hat.

http://www.urokiistorii.ru/sites/all/files/image/em5_www.nrw2000.de_1.jpg

Das Werbeplakat für die Ausstellung zeigt die Karikatur eines Afrikaners:

http://www.derwesten.de/img/incoming/origs8423688/7766262207-w552-h740-bF3F3F3-st/14183972-597-300x402.jpg Zu beachten: Statt einer Blume trägt der Jazzmusiker einen Judenstern. Ich finde dieses Plakat auch gemein, weil der Mensch mit einem affenartigen Gesicht dargestellt wird. Es ist ähnlich, wie damals die Juden auf Propagandaplakaten dargestellt wurden, äußerst übertrieben. Was ich außerdem komisch finde, dass der farbige Musiker zusätzlich einen Judenstern trägt.

Auszug aus Artikel „Verbotene Klänge im NS Staat“:
„..
Eine abschreckende Schau sollte die Ausstellung "Entartete Musik" sein, so wollte es der Hitler-Verehrer Hans Severus Ziegler. Der NSDAP-Funktionär und damalige Intendant am Staatstheater in Weimar hatte die Ausstellung organisiert. In seiner Eröffnungsrede sagte er: "Was in der Ausstellung zusammengetragen ist, stellt das Abbild eines wahren Hexensabbat dar und ein Abbild arroganter jüdischer Frechheit und völliger geistiger Vertrottelung…"

Jonny und Ernst Krenek: Die Figur des Plakats mit dem „Negerinstrument“ Saxophon soll an eine Opernfigur erinnern. Es handelt sich um die Oper „Jonny spielt auf“, die vom jüdischen Komponisten Ernst Krenek 1927 komponiert und in Deutschland aufgeführt wurde. Sie hatte Elemente des Jazz und wurde von NS-Deutschland als Skandalstück hingestellt. urde bereits 1927 Ernst Kreneks Oper Jonny spielt auf, die musikalische Anleihen aus dem Jazz enthielt, durch entsprechende Protestaktionen aus dem völkisch-nationalistischen Umfeld zum Skandalstück gemacht. Unten findet ihr einen Link zu einem Ausschnitt dieser Oper auf Youtube.

[Nazi_poster_against_jewish_music.jpg]

https://www.youtube.com/watch?v=a-mYBtAzJXY

Es gab aber auch viele andere Komponisten oder Musik die verboten waren, zum Beispiel Arnold Schönberg, Kurt Weill oder Paul Hindemith.

Zu Paul Hindemith: Hindemith war Arier, seine Musik war allerdings als atonal angesehen. Was so viel wie „nicht melodisch“ heißt. Hindemith war Universitätsprofessor in Deutschland. Er hatte aber Feinde, weil er angeblich ein Trio mit jüdischen Künstlern nach der Machtergreifung Schallplattenaufnahmen gemacht hat. Hitler hat Hindemiths Oper „Neues vom Tage“ gesehen, in der eine nackte Frau in ihrem Bad sitzend eine Arie sang. Das hat er als untragbar und dem „gesunden deutschen Volksempfinden“ zuwiderlaufend gefunden. Über Hindemiths neue Oper wurde dann der „Bannfluch“ ausgesprochen. Das hat dem Dirigenten Furtwängler, der Hindemith helfen wollte, dazu gebracht, einen Artikel „Der Fall Hindemith“ in der Deutschen Allgemeinen Zeitung zu veröffentlichen:

 „…. Wir können es uns nicht leisten, angesichts der auf der ganzen Welt herrschenden Armut an wahrhaft produktiven Musikern, auf einen Mann wie Hindemith zu verzichten.“.

(Quelle: Rupert Schöttle, Götter im Frack, das Jahrhundert der Dirigenten, Seite 102)

Zeitungsartikel «Der Fall Hindemith», November 1934

Dieser Artikel führte dazu, dass Furtwängler zwischenzeitlich Probleme mit dem NS-Staat bekam, wobei er nach einiger Zeit wieder arbeiten konnte. Hindemith musste letztendlich Deutschland verlassen.

Hier ein Link zum Thema „der Fall Hindemith“, in welchem auch ein Audio mit einer Rede von Hitler zur Entarteten Kunst zu finden ist.


Das „Lexikon der Juden in der Musik“ wurde erstmals 1940 von Herbert Gerigk und Theophil Stengel im Verlag Bernhard Hahnefeld herausgegeben. Das Buch, das als Band 2 der Reihe „Veröffentlichungen des Instituts der NSDAP zur Erforschung der Judenfrage“ erschien, wurde laut Untertitel „im Auftrag der Reichsleitung der NSDAP auf Grund behördlicher, parteiamtlich geprüfter Unterlagen“ zusammengestellt.

Musiker, Musikwissenschaftler, Librettisten, Regisseure, Musikverleger und andere Personen, die mit Musik zu tun hatten und die nach der antisemitischen, nationalsozialistischen Definition der Nürnberger Gesetze als „jüdisch“ oder „halbjüdisch“ galten, sind darin verzeichnet. Darüber hinaus enthält es ein Titelverzeichnis mit „jüdischen“ Werken, die nicht aufgeführt werden durften.

Jazz und Swing waren ebenfalls verboten…Mehr dazu in meinem nächsten Blog (-Swingkids)

http://stockpress.de/wp-content/uploads/2010/10/Swing-tanzen-verboten.jpg

,, Jeder Jude, der in Europa wirkt, ist eine Gefahr für die europäische Kultur! Wenn man mir den Vorwurf machen wollte, dass ich aus dieser Stadt, die einst die europäische Metropole des Judentums gewesen ist, Zehntausende und aber Zehntausende von Juden ins Ghetto abgeschoben habe, muss ich antworten, ich sehe darin einen aktiven Beitrag zur europäischen Kultur.“

- Baldur von Schirach/ Reichsgauleiter von Wien (aus dem Buch: Ernst Hanisch, Der lange Schatten des Staates, Österr. Gesellschaftsgeschichte im 20.Jhd, Seite 366)

Ich finde, dass jeder Mensch die Musik hören und machen darf, die er will!

1 Kommentar:

  1. Ich finde es sehr cool, dass du immer Bilder dazu gibst, damit man es sich vorstellen kann wie solche Werbeplakate oder Zeitungsartikel ausgeschaut haben.

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