Sonntag, 18. Januar 2015

Filmmusik


Die Filmmusik

Interview mit einer Neunzigjährigen:

Wir hatten zu Hause einen Volksempfänger. Da habe ich Schlager und Operettenmusik gehört. Es gab auch klassische Musik, die hat mir aber weniger gefallen und ich hab sie mir nicht so oft angehört. Ich habe seinerzeit in der Schule auch Musik gehabt. Wir haben Volkslieder gesungen. Natürlich haben wir auch die Deutsche Hymne gesungen und das Horst Wessel-Lied, das wurde gleich danach gesungen. Von meinen Freundinnen und Schulkollegen haben viele ein Instrument gespielt. Damals war die Laute sehr modern und ich wollte Laute lernen, was meine Eltern aber nicht erlaubt haben. Ich habe daher bei meiner Tante Zither gelernt. Das hat mir aber weniger gefallen und ich habe nicht viel geübt.

Was ich sehr oft gemacht habe, war ins Kino gehen. Ich bin zweimal die Woche gegangen, was normal war. Es gab aber auch welche, die jeden Tag gegangen sind. Kino war damals nicht teuer und ich glaube, dass es für Arbeitslose sogar spezielle Ermäßigungen gab. Ich habe mir viele Filme, vor allem auch viele Operetten- und Revuefilme angesehen. Das habe ich geliebt. Von den Liedern wurden viele „Gassenhauer“, die wir auch so gesungen haben. Ich habe nicht gut singen können, es aber gerne gemacht. Wenn ich im Stall Kühe melken musste, habe ich dann gerne ein Lied geträllert. Die Filmlieblinge der damaligen Zeit waren Hans Moser, Paul Hörbiger, Marthe Harell, Maria Andergast, Heinz Rühmann, Zarah Leander, Theo Lingen und viele andere. Ich kann mich erinnern, dass ich einen Film viermal angesehen habe, weil mir so gut gefallen hat, wie Hans Moser in einer Filmszene genuschelt hat: „So ein Trampel“.

Musik- und Revuefilm in NS-Zeit und 2. WK

Die nationalsozialistische Politik veränderte das Genre des Films bis zur Unkenntlichkeit. Joseph Goebbels hat das Tanzen und Singen zwar gehasst, da aber der Tonfilm und der Revuefilm bzw. die Operettenfilme sehr beliebt waren, konnte man kein Verbot einführen. Daher musste man die Filme selbst verändern…

Der Film war eines der wichtigsten Propaganda-Mittel. Es wurden in den zwölf Jahren des dritten Reichs 1150 Filme produziert. Von diesen Filmen war ein Sechstel Propaganda! Der Rest diente zur Unterhaltung. Dass die Unterhaltung der Menschen wichtig war wusste Joseph Goebbels genau.

,, Die gute Laune ist ein Kriegsartikel. Unter Umständen kann sie nicht nur kriegswichtig sonder auch kriegsentscheidend sein. Es ist deshalb besonders nötig ihre besondere Beachtung und Pflege angedeihen zu lassen. Ich werde mich in dem Bestreben dahin von niemandem behindern oder beirren lassen. Optimismus gehört nun einmal zur Kriegsführung. Mit Kopfhängerei oder weltanschaulichen Theorien gewinnt man keine Schlachten. Es ist deshalb notwendig, unser Volk in einer guten Stimmung zu erhalten und die moralische Widerstandskraft der breiten Masse zu stärken. Der Ernst des Krieges ritt schon, ohne dass wir ihn rufen, an uns heran.“

Goebbels nutzte den Unterhaltungsfilm auch gezielt für seine Zwecke…

(Quelle: Georg Markus, Die Hörbigers/ Seite 162-63)

Veränderungen im Film

Es wurden zum Beispiel neue Filmpaare ausgewählt: Johannes Heesters und Marika Rökk. Hingegen das vorige Traumpaar der Filmoperetten Lilian Harvey und Willy Fritsch wurden verdrängt.

Die ersten Filme von Jopi Heesters und Marika Rökk waren: der ,,Bettelstudent“ und ,,Gasparone“ diese beiden Filme wurden schon nach nationalsozialistischen Vorstellungen gedreht. Viele weitere Filme sollten folgen.

Viele Stars haben sich (zum Teil) notgedrungen mit dem Regime arrangiert. Denn wenn man sich nicht mit dem Führer gutgestellt hat, durfte man nicht auftreten oder musste damit rechnen nicht auftreten zu dürfen. Dies gilt allerdings nur für jene, die nicht ohnedies schon ein Auftrittsverbot hatten, weil sie zum Beispiel Juden waren. (-> Ich finde das eine Gemeinheit weil es bestimmt auch viele sehr gute jüdische Künstler gab.)

Klar war das auch ausländische und vor allem amerikanische Revue- und Musicalfilme nicht gezeigt wurden. Dieses ,,Loch“ wurde durch deutsche Filme geschlossen.

Bekannte Revuefilme aus der NS- Zeit:

  • Frauen sind doch bessere Diplomaten
  • Kora Terry
  • Der Bettelstudent
  • Tanz mit dem Kaiser
  • Rosen in Tirol
  • Operette
  • Hallo Janine
  • Gasparone
  • Wiener Blut
  • Schrammeln

Diese Filme haben alle gemeinsam dass sie eine heile Welt zeigen und voll von wunderbaren Melodien sind, die die Stars der damaligen Zeit gesungen haben.

Stars des Revuefilms der NS-Zeit bzw. im 2.WK

Marika Rökk


 

(Cover  Notenheft Edition Meisel & Co, Berlin)

Unten ein paar Titel von Marika Rökk aus obigem Heft. Berühmte Komponisten solcher Filmmusik waren damals Peter Kreuder und Franz Grothe.

Und hier ein Youtube-Link zu einem der Titel „Wenn ein junger Mann kommt“



 

Johannes Heesters

http://www.johannes-heesters.de/immernurdu.jpg (Quelle: Homepage von Jopi Heesters)

https://www.youtube.com/watch?v=h0_y1pR_3vs -Ausschnitt zum Film ,,Operette“ -1940

Willy Forst

                                                                                      (Aus Filmzeitschrift)

http://kpitalrisk.free.fr/images/stars/38000/s_s_willy_forst_.jpg (Quelle: Google)


Zarah Leander







http://media2.nekropole.info/2013/06/ZarahLeander.jpg

https://www.youtube.com/watch?v=p8D126NPTrU „Davon geht die Welt nicht unter“ aus dem Film „Die große Liebe“ 1942. Der Komponist hat das angeblich geschrieben als er 1941 in Gestapo-Haft saß.

Theo Lingen und Hans Moser

http://wiev1.orf.at/static/vietnam2/images/site/oesv1/201031/Moser4_big.jpg

Paul Hörbiger

http://farm2.static.flickr.com/1426/3353372890_10a6f24f7b.jpg

Natürlich gab  es noch viele andere Stars…

Der Film „Schrammeln“

Paul Hörbiger spielte auch im Film „Schrammeln“ mit Hans Moser und Hans Holt. Dazu gibt es noch eine interessante Geschichte über ein darin vorkommendes Lied.


Dazu aus WIKIPEDIA: „Die Erstaufführung war am 3. März 1944. Ein bekanntes Schrammel-Lied, das in dem Film gesungen wurde und mit den Worten endete „…Hat kan Begriff davon, was Öst’reich is“ wurde auf Anordnung der Reichsfilmkammer mit „…Hat kan Begriff davon, wie schön’s da is“ synchronisiert. Bei Vorführungen im Wiener Scala-Kino überstimmte jedoch das Publikum spontan die Abänderung. Die Originalversion blieb erhalten und wurde nach Kriegsende wieder gezeigt“

http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto04/11041014/b640x600.jpg

 

3 Kommentare:

  1. Super Material und auch gut aufbereitet. Beim ersten Artikel: Interview mit einer Neunzigjährigen bin ich mir nicht sicher, ob du das Interview geführt hast, oder das aus einem Buch od dergleichen hast. Wenn du selbst interviewest, dann schreibe dazu, dass es ein Interview mit dir war, und wann es stattgefunden hat.

    AntwortenLöschen
  2. Lieber Mr.MH,
    Das Interview habe ich selber gemacht; Am Sonntag, dem 18. Jänner 2015.
    Ich werde es das nächste mal sofort dazuschreiben. Danke für den Hinweis.

    AntwortenLöschen
  3. Voll gut, du hast dir, denke ich, mühe gemacht :)

    AntwortenLöschen