Samstag, 17. Januar 2015

Musik im 2.Weltkrieg_- Radiomusik


Interview mit meiner Oma:


Was fällt dir zum Thema Musik im 2. Weltkrieg im Alltag ein?

Wir haben Musikunterricht gehabt. Dort haben wir die Deutschlandhymne ganz oft gesungen. Sonst haben wir Volkslieder gesungen. Ich kann mich auch noch erinnern, dass wir Blockflöte gelernt haben. Bei der Hitlerjugend haben wir auch gesungen. Es gab auch viele Aufmärsche, wo Militär- und Blasmusik gespielt wurde.

Zu Hause hatten wir zwar einen Volksempfänger, aber wir haben nicht oft Radio gehört. Ich weiß auch noch, dass es streng verboten war, fremde Sender zu hören. Ich war noch sehr klein, deshalb kann ich leider nicht mehr sagen, was genau gespielt wurde. Es gab jedenfalls auch Reden.

 

Der Volksempfänger:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/de/Ve301w.jpg         http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/c/ce/1936~Volksempfaenger.jpg

"Wir machen gar keine Hehl daraus, der Rundfunk gehört uns. Und niemandem sonst. Und den Rundfunk werden wir in den Dienst unserer Idee stellen. Und ... keine andere Idee soll hier zu Worte kommen. Zu glauben, dass wieder einmal eine Zeit kommen könnte, wo man allen Parteien von der Sozialdemokratischen Partei bis zu den Nationalsozialisten die Gelegenheit gäbe, am Rundfunk ihre sogenannten Ideen an das Volk zu bringen, das ist kindlich."- Joseph Goebbels

Ein „Hausaltar“ nach NSDAP-Vorstellungen: Hitler- und Goebbels-Porträt, dazwischen ein Volksempfänger „VE-301“. Dieses Propagandafoto entstand 1933 im Zusammenhang mit der Einführung des günstigen Radios
Der ,,Hausaltar“-Ein Portrait von Hitler und Goebbels dazwischen der Volksempfänger

Der Volksempfänger war eine Idee von Joseph Goebbels, die als weiteres Propaganda dienen sollte. Das Ziel war dass die  Menschen zu Hause auch den Führer hören können.  Er heißt auch VE-301. ,,VE“ steht für Volksempfänger und 301 steht für den 30. Jänner 1933, dem Tag der Machtüberahme Hitlers.

In Deutschland waren nicht sehr viele Radios verbreitet da sie sehr teuer waren und mehrere Monatseinkommen kosteten. Der Volksempfänger selber hat nur 76 RM gekostet. Ein normaler Rundfunkhörer hingegen 3oo bis 600 RM. Das war ein weiterer Grund für die Menschen dieses Radio zu kaufen und wurde auch oftmals  als ,,nette Geste des Führers“ angesehen.

Erstmals vorgestellt wurde der Volksempfänger bei der 10. Funkausstellung im Berliner Messegelände.

Man konnte obwohl es ein Propaganda-Radio war, auch verschiedene Frequenzen abgestimmt werden. Das war weil Joseph Goebbels wollte, dass mindestens zwei verschiedene Radioprogramme zu empfangen sein  müsste. Da aber der lokale Sender und der nationale Deutschlandsender (das waren die 2 Programme) auf unterschiedlichen Frequenzen waren, musste diese Funktion möglich sein. Schon vor, aber erst recht im Zweiten Weltkrieg waren Radios die einzige Möglichkeit in Deutschland, sich einigermaßen unabhängige Informationen zu verschaffen. Vor allem das deutschsprachige Programm der BBC wurde viel gehört, obwohl darauf schwere Strafen standen.

Zu den Olympischen Spielen 1936 kam ein weiteres Modell heraus, der "Olympia-Koffer", ein mobiler Volksempfänger. 1938 schließlich brachte die deutsche Elektronikindustrie ein noch einfacheres Radio heraus, den "Deutschen Kleinempfänger 1938", kurz "DKE-1938" für 35 RM. Im Volksmund bekam das Gerät rasch den Namen "Goebbels-Schnauze", obwohl auch fast alle Hitler-Reden übertragen wurden.


 

Das Programm: Gute Laune ist kriegswichtig


In der ersten Phase des Krieges funktioniert die Propaganda aus Sicht der Nazis problemlos. Die Wehrmacht siegt an allen Fronten. "Es besteht gegenwärtig ein absolutes Vertrauen zur gesamten Nachrichtenübermittlung", meldet der "Sicherheitsdienst", der über einen weit verzweigten Spitzelapparat verfügt und geheime Lageberichte über die Stimmung der Bevölkerung verfasst. Nach Einschätzung von Prof. Dussel tritt die Wende mit dem Russlandfeldzug ein: Der SD meldet 1941, man mache "sich sehr viele Gedanken darüber, wie weit wir noch in den Raum der Sowjet-Union hineinmarschieren müssten".

Propaganda-Chef Joseph Goebbels auf der Rundfunkausstellung 1939

Stärkt die Kriegsmoral durch Unterhaltung: Goebbels

Goebbels reagiert prompt: Der Rundfunk muss unterhaltender werden. Die Wortbeiträge werden gekürzt, der Musikanteil steigt. Die entsprechende Musik wird vom eigens gegründeten "Deutschen Tanz- und Unterhaltungsorchester" produziert. Gute Laune ist kriegswichtig. Der SD meldet daraufhin, das neue Programm fände "nahezu restlose Zustimmung", besonders "die verstärkte Berücksichtigung des Humors" finde großen Anklang. 1942 vergrößert Goebbels den Anteil an Unterhaltungssendungen auf mehr als 80 Prozent des Gesamtprogramms.
(Auszug aus
http://www1.wdr.de/themen/archiv/sp_rundfunkgeschichte/rundfunkgeschichte130.html )

Was wurde gespielt?

Ernste Musik,  Unterhaltungsmusik/Schlagermusik (Filmschlager).
Es gab auch ein Wunschkonzert der Wehrmacht. Bekannte Sänger waren zum Beispiel Hans Albers, Lale Andersen, Willi Berking, Zarah Leander, Marika Röck, Johannes Heesters, Ilse Werner, Rudi Schurekke. Das Wunschkonzert wurde zweimal wöchentlich ausgestrahlt. Für Goebbels war die Unterhaltungsmusik im Rundfunkt wichtig. Optimistische und lebensbejahende und herzerhebende Musik in Zeiten des großen Tötens. Es sollte vom Kriegsalltag ablenken. Es gab neben Musik auch die Möglichkeiten Nachrichten  zu verlesen, wie zum Beispiel von Gefallenen für die Daheimgebliebenen oder von Neugeborenen für die Soldaten an der Front.

Audios (Beispiele)


Lale Anderson „Lilli Marleen“:


Wunschkonzert: Mutter eines gefallenen Soldaten wünscht sich ein Lied:


50. Wunschkonzert 1942: Marika Röck usw.


Zarah Leander „Ich weiß es wird einmal ein Wunder geschehen“

Yours, AnnEli

3 Kommentare:

  1. Sehr umfangreich und toll recherchiert! Bilde dir auch eine persönliche Meinung dazu!

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  2. Ich finde du hast deinen Text sehr informativ und spannend gestaltet.

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  3. Nachträglich meine persönliche Meinung:
    Ich finde, dass das Regime die Musik für die Zwecke der Nazi-Herrschaft ausgenutzt hat. Sie wurde zum Einlullen und zum Anspornen für die Menschen (missbräuchlich) eingesetzt.

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